Ausschnitt Bebauungsplan Strandhaus
Ausschnitt Bebauungsplan Strandhaus

Hotelerweiterung Strandhaus - Einstieg in eine Spirale?

 

Einer der umstrittensten Punkte im neuen Bebauungsplan „Feldwieser Bucht“ ist die Erweiterung des Strandhauses von einem Restaurant-/Gastronomiebetrieb zu einem Übernachtungsbetrieb. Geplant ist ein Anbau von zusätzlichen 1.500 m³ umbautem Raum (nach Fertigstellung mit Altbestand insgesamt 2.900 m³), der u.a. 8 Suiten/ Zimmer mit 16 Betten der Kategorie 4 Sterne Plus enthalten soll.

 

Abgesehen davon, dass die Entstehung eines neuen Übernachtungsbetriebs in einem Landschaftsschutzgebiet bei vielen Bürgern auf Ablehnung stößt, könnte sich die Umsetzung dieses Vorhabens als Einstieg in eine  Erweiterungsspirale erweisen. Renommierte Hotelplaner und Investoren legen bei der Planung neuer 4-5 Sterne Hotels eine Mindestkapazität von 100 Zimmern zugrunde, um nachhaltig rentabel wirtschaften zu können oder für einen Betreiber attraktiv zu sein. Auch der von der Gemeinde viel zitierte Masterplan Hotelentwicklung LKR Traunstein (akt. Version Aug 2010, S. 47 - 57) geht für die Hotelkategorien 3 bis 5 Sterne je nach Art des Hotels von einer wirtschaftlich vernünftigen Mindestkapazität von 40 bis zu 150 Zimmern aus. Exakt mit diesem Argument begründet auch der Eigentümer des nur wenige 100 Meter entfernten Chiemgauhofs sein Erweiterungsvorhaben. Laut diesem Hotelier sind die aktuell in seinem Betrieb vorhandenen 18 Doppelzimmer und 3 Suiten mittel- und langfristig nicht ausreichend, um allein aus der Zimmervermietung nachhaltig profitabel zu sein.

 

Unter der Annahme, dass Hotelplaner, Masterplan und der benachbarte Hotelier mit Ihrer Einschätzung richtig liegen, ist die Neuerrichtung eines Übernachtungsbetriebs im Strandhaus mit gerade mal 8 Doppelzimmern äußerst kritisch zu hinterfragen, weil dieses Konzept bei einem Scheitern die Gemeinde mittelfristig in einen sehr unangenehmen Zugzwang bringen könnte. Dieser besteht darin, dass der Eigentümer und Betreiber aus einer unrentablen Situation heraus auf die Gemeinde zugeht und erneut um eine Erweiterungsgenehmigung für seinen Übernachtungsbetrieb bittet. Lehnt die Gemeinde diesen Wunsch ab, könnte dies den Unternehmer veranlassen, sich zurück zu ziehen oder gar die Existenz dieses Betriebs gefährden. Auch ein neuer Betreiber würde nur einsteigen, wenn die Möglichkeit zu nachhaltig profitablem Wirtschaften gegeben wäre und hätte deshalb letztlich die gleichen Forderungen nach Erweiterung wie der alte.

 

Die aufgezeigten Widersprüche dieses  8-Zimmer-Konzepts mit ihren möglichen unerwünschten Konsequenzen sollten uns Bürger sehr wachsam sein lassen, zumal nördlich des Strandhauses -wie es der Zufall will- auch gleich ein geeignetes Grundstück vorhanden wäre (grüne Fläche). Entweder hat man bei der Planung und Genehmigung auf Seiten der Verantwortlichen diese Punkte bisher komplett übersehen oder man hat bei einigen Akteuren die Option auf nochmalige Erweiterung der Übernachtungskapazitäten im Rahmen einer „schrittweisen Vorgehensweise“ bereits bewusst einkalkuliert. In beiden Fällen wäre der jetzt umzusetzende erste Schritt der Einstieg in eine (Erweiterungs-) Spirale und jeder Überseer Bürger ist aufgefordert, sich zu überlegen, ob man dieses Risiko wirklich eingehen sollte.

 

Die Alternative hierzu wäre eine maßvolle und auf nachhaltige Existenzsicherung bedachte Erweiterung des Restaurant- und Gastronomiebetriebs „Strandhaus“ ohne Übernachtungsfunktion. Damit wäre allen Beteiligten Rechnung getragen, die aufgezeigten Risiken vom Tisch und der naturnahe Erhalt der Feldwieser Bucht langfristig ein ganzes Stück besser gesichert. 

 

 

Ausschnitt Bebauungsplan Chiemgauhof
Ausschnitt Bebauungsplan Chiemgauhof

Chiemgauhoferweiterung - Bedarf oder Prestige?

 

Die Ausnutzung des genehmigten Baufensters würde den Chiemgauhof ca. um das Doppelte vergrößern, bei einer Seitenwandhöhe von 7,50 m. Noch nicht mitgerechnet ist ein auf der gegenüberliegenden Straßenseite geplantes Bedienstetengebäude, das etwa dort entstehen soll, wo sich aktuell die Pferdestallungen befinden.

 

Auch sticht dem Betrachter sofort ins Auge, dass der erweiterten Übernachtungskapazität mit einem darauf angepassten, deutlich erweiterten Parkplatzangebot auf der anderen Strassenseite Rechnung getragen werden muss.

 

Über die Breite der Hotelerweiterung sind Zugang und Blick zum See nicht mehr gegeben sowie der Uferfuss-/ und -radweg nicht mehr nutzbar. Erst hinter dem Klettergarten könnte man frühestens mit dem Fahrrad oder zu Fuss wieder in Richtung See einbiegen.

 

Das für den Anbau dem Chiemgauhof-Eigentümer von der Gemeinde veräußerte Grundstück muss innerhalb von 5 Jahren bebaut werden, ansonsten hat die Gemeinde ein Rückübertragungsrecht. Hier wird also bereits von der Kommune zusammen mit den im Hintergrund agierenden Masterplanentwicklern gehöriger Druck ausgeübt, unabhängig von den Wünschen des Hoteliers. Ein doppelt so großer Chiemgauhof wie zuvor, zusammen mit den enorm erweiterten Parkplatzflächen, wird zweifelsohne seine negativen Auswirkungen auf das empfindliche Landschaftsschutzgebiet hinterlassen. Die Frage, ob und was der betreibende Hotelier zum nachhaltig profitablen Wirtschaften braucht, wurde so garnicht diskutiert. Es wurde von vornherein der Maximalansatz favorisiert.

 

Völlig unverständlich ist die Genehmigung eines äußerst stattlichen Wohngebäudes für Hotelangestellte auf der gegenüberliegenden Strassenseite.

Muss ein Bedienstetengebäude wirklich unbedingt neu in Mitten eines Landschaftsschutzgebietes gebaut werden? Kann dieses nicht auf einem freien Grundstück im Dorf entstehen sowie jedes andere Wohnhaus in Übersee auch? Ist es denn Kellnern, Köchen und Spülhilfen nicht zuzumuten, 5 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, wenn dadurch Druck aus dem Landschaftsschutzgebiet genommen wird? Wie kann so etwas überhaupt ernsthaft überlegt, geschweige denn genehmigt werden?

Geht es denn nur noch ums Geld und ist der Naturschutz überhaupt nichts mehr wert?

Parkplätze rund ums Strandbad werden deutlich aufgestockt
Parkplätze rund ums Strandbad werden deutlich aufgestockt

Der Druck auf das Naturschutzgebiet hinter dem Strandbad wird zunehmen

 

Auch die Parkplatzflächen am Strandbad werden spürbar erweitert. In Verbindung mit der ordentlich verbreiterten Strasse werden noch mehr Leute mit ihrem Auto bis ganz nach hinten fahren. Steigende Abgas- und Lärmemissionen für das unmittelbar dahinter beginnende Naturschutzgebiet sind die zwangsläufige Folge, geschützte Tier- und Pflanzenarten die Leidtragenden.

 

Verstärkt wird diese Tendenz noch durch die Vielzahl der Ruhesuchenden, die sich durch den Chiemseeuferausbau vorne beim Strandbad und den Hotels nicht mehr wohl fühlen. Diese Menschen werden zwangsläufig hinter das Strandbad in Richtung Beckerscheibe/ Naturschutzgebiet flüchten. Bereits in der Vergangenheit waren die Überreste menschlicher Bedürfnisse und Hundekot in diesem unerschlossenen Bereich ein zunehmend größer werdendes Problem. Hat man diesen Umstand auf Seiten der Planer und genehmigenden Stellen wirklich stringent zu Ende gedacht oder (wie so vieles Andere auch) einfach billigend in Kauf genommen und die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen?